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Lieber eigene Firma als einen festen Arbeitsplatz 02.06.00
02.06. 2000 Lieber eine eigene Firma als einen festen Arbeitsplatz (Die Welt)
Studenten arbeiten bei Yellout als Unternehmensberater - aber ins Berufsleben starten sie lieber alleine (von Susanne Ziegert)
Leere Computerkartons türmen sich hinter einer gelb angemalten und fast lebensgroßen Bärenplastik und einer Regalwand bis zur Decke. Ein Gummibaum lässt seine verdorrten Blätter hängen, weil wieder keiner der hektischen Büroinsassen an seine Wasserration gedacht hat. Es ist kurz nach 19 Uhr, noch immer klappern an den 30 Computertischen in der Fabriketage der Internetfirma Yellout eifrig die Tastaturen. Zwischen Kartonstapel und Pflanze drängen sich mittlerweile sechs junge Männer um einen Computertisch. "Unsere einzige ruhige Ecke, unsere Firma überbrückt hier nur die Zeit zwischen zwei Umzügen", sagt Manager Christian Kloss. Einmal in der Woche empfängt er eine Studentengruppe von der Humboldt-Universität. Zwei Arbeitsgruppen mit jeweils drei Studenten arbeiten als studentische Unternehmensberater für die Internet-Firma Yellout. Erst im Januar waren die fünf Gründer mit ihrem Marktplatz für mittelständische Dienstleister ans Netz gegangen, mittlerweile hat die Firma 30 Mitarbeiter und bereitet den Umzug in drei übereinanderliegende Fabriketagen vor. Noch dieses Jahr soll der Dienst europaweit expandieren.
Dafür gibt es Starthilfe von der Uni. Seit dem vergangenen Jahr hat das Institut für Wirtschaftsinformatik ein "Electronic Commerce Forum" ins Leben gerufen. Einmal in der Wochen kommen erfolgreiche Unternehmer der alten und neuen ökonomie in den Hörsaal, wie beispielsweise die Gründer von Datango oder Dooyoo. Auch Wagniskapitalgeber oder Software-Entwickler halten Vorlesungen. Und der wichtigste Teil des Forums sind die Beratergruppen. "In den BWL-Büchern lernt man zwar viele Instrumentarien, aber die praktische Anwendung kommt noch viel zu kurz, da sind amerikanische Universitäten viel weiter", sagt Doktorand Gerrit Tamm, der die Gruppen betreut. Ziel seines Fachbereiches ist es, sich von der Uni zu lösen und - in Kooperation mit dem Fachbereich Informatik und der HdK - ein "An-Institut" zu bilden.
Der erste Schritt zu einer praxisorientierten Ausbildung nahm das Institut im vergangenen Jahr: Erstmalig berieten Studenten das Unternehmen DeTeWe, mittlerweile ist das erarbeitete elektronische Einkaufssystem im Netz. In diesem Jahr arbeiten 30 Berater von der Universität für Datango, MeOMe und den Landesbetrieb für Informationstechnik.
Die beiden Gruppen bei Yellout arbeiten an einem Preismodell für den virtuellen Marktplatz und an einer Strategie für die europäische Expansion. Mindestens zwölf Stunden in der Woche wühlen sich die drei Expansionsstrategen Johannes, Jan und Fabian durch Internetdatenbanken, suchen bei Statistischen ämtern und Verlagen nach Daten über 23 mögliche Expansionsländer. Vor ihren 14-tägigen Präsentationsterminen arbeiten sie meist bis spät in die Nacht. Wie groß sind die Märkte, wie ist die Nachfrage nach Dienstleistungen, wie hoch das Risiko? Durch eine Gewichtung von Erfolgsfaktoren haben die Studenten aus den 23 Ländern die sieben aussichtsreichsten herausgearbeitet. Auf die Ergebnisse wartet der Vorstand von Yellout mit Spannung. "Diese Studie brauchen wir dringend, wir bauen darauf unsere Expansionsstrategie auf", so Kloss.
Doktorand Gerit Tamm setzt seine Studenten besonders gerne in Startup-Unternehmen ein: "Es ist faszinierend, diese rasante Entwicklung zu erleben. Außerdem kann man in den flachen Hierarchien viel bewegen. Die Arbeit wird nicht bezahlt, aber solche Erfahrungen sind unbezahlbar." Yellout würde sofort zwölf neue Mitarbeiter einstellen. Aber ihre studentischen Berater wollen vor allem eins: "Nach dem Studium selbst etwas gründen", antworten Johannes und Jan fast einstimmig.